In der Nacht zum 9. Mai 1945, die Älteren werden sich erinnern, erfolgte der zwei Tage zuvor vereinbarte Kapitulationsakt der Deutschen im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst. Bis heute ist der 9. Mai ein großer Feiertag in Russland und ehemaligen Sowjetrepubliken. Freunde lassen einen das auch gern wissen. So bekam ich heute folgende Mail:

I know, u wait for congratulations from me and i can’t hold in!!!
MY CONGRATULATIONS!!!!!
Congratulations with the day of victory over fascism! Гитлер капут!* :D :D :D

*Hitler kaputt!

Einer der schönsten Orte für zivilisiertes Trinken ist für mich das Le Lion. Dazu irgendwann mal mehr. Interessant aber die Baustellenbesichtigung drei Monate vor der Eröffnung. Inhaber Jörg Meyer kommentiert. Und ich habe ja ein Herz für die Vision, die er verfolgt hat. Irre, was aus dem Rumpelplatz später wurde.

image

Paolino ist in Hamburg ein Name mit Klang. Paolo Cherchi war lange Jahre Hamburgs Promi-Wirt. Ein gemütlich-possierlicher Sardinier mit immer freundlichem Gesicht und italienischer Gastfreundschaft. Ich durfte einmal auf Einladung der Verlegerin Angelika Jahr auf dem Ponton auf der Außenalster speisen. In Erinnerung blieben mir vor allem all die Promi-Fotos an der Wand.

Das war 1997. Noch im selben Jahr brannte das Restaurant ab. Hatte ich aber nichts mit zu tun. Paolino wohl auch nicht. Der machte weiter. Mario Adorf, Götz George und all die anderen Stammgäste behielten ihr Zweitwohnzimmer. Jedenfalls bis 2008.

Da entschieden sich die Inhaber der Immobilie für einen neuen Pächter. Paolino war gastronomisch obdachlos, hatte aber tolle Pläne, gleich in der Nähe neu zu bauen. Das scheiterte und der Name verschwand zunächst von der Bildfläche.

Dafür tauchte bald ein anderer in Winterhude auf. Paolinos Sohn Raffaele und dessen Cousin Lorenzo Floris starteten das Sardegna in verkehrsgünstiger Lage. Die Verwandschaft wurde zunächst nicht eben prominent publiziert. Mit einem meterhohen Porträt des Signore Cherchi an der Wand unterlag sie allerdings auch nicht der Geheimhaltung.

Und schon bald nach der Eröffnung stemmten sich erstaunlich viele bekannte Körper gegen die etwas schwergängige Eingangstür. Hier sah ich Götz George zum ersten Mal live und war erstaunt von seiner leisen Art. Norbert Körzdörfer sieht genauso widerlich aus wie er sich liest und Bernd Hoffmann im Gespräch mit Bruno Labaddia fand ich während der Trainersuche des HSV irre spannend.

Auch Paolino selbst ließ nicht lange auf sich warten. Steckte er anfangs nur mal die Nase in den Gastraum, war er irgendwann täglich anzutreffen und irgendwann folgte dann auch sein Name über dem Eingang. So wurde das Sardegna zum Sardegna Paolino.

Wer die knuffige Gastro-Legende also mal live sehen möchte, das Publikum der Winterhuder Komödie erträgt und Spaß am Promi-Spotting hat, für den ist das Sardegna ein toller Ort. Gemütlich überdies, auch wenn man immer schauen muss, in welchem Verhältnis das eigene Körpergewicht zur Wackeligkeit des besetzten Stuhls steht.

Am Beeindruckendsten sind meines Erachtens übrigens nicht die Schauspieler und Verlagsleute im Sardegna. Und auch nicht die A4-Seiten-lange Tageskarte, die der Service jeweils aus dem Kopf rezitiert (sie ändert sich allerdings auch selten). Nein, das bemerkenswerteste Feature ist sicher meine derangierte Nachbarin, die man hier an so manchem Abend besichtigen kann. Man erkennt die hoch gewachsene blonde Dame schnell, die immer mit einem Partner am Tisch sitzt. Der ist jedoch für alle anderen unsichbar. Mit dem tuschelt sie dann, kichert, manchmal weint sie auch und dann macht sie Notizen in ihr FiloFax.

Ein Sardegna-Besuch lohnt sich also in jedem Fall. Zumal sich der Erlebnisbonus nicht über Gebühr auf die Preise niederschlägt. Die sind nicht niedrig, aber der Leistung vollkommen angemessen.

Denn lecker ist es überdies.

Ich mag es ja, wenn eine Küche die ganz einfach Dinge beherrscht. Und so eine Minnestrone ist ja eigentlich ganz einfach und trotzdem schon millionanfach auf widerliche Art verhunzt worden. Hier ist sie einfach nur gut. Frisches Gemüse, leckerer Fond, dampfend heiß serviert und für 7 Euro abgerechnet. Punkt.

Oder meine aktuelle Leibspeise: Spagehtti al pomodoro für 8 Euro. Ein einziges Mal hat der Sardegna-Koch die Pasta ein wenig zu weich rausgehen lassen. Zig male war sie so perfekt al dente, wie man es selten erlebt. Und das Sugo! Alter! Dieses Tomatensugo. Wir löffeln es am Ende immer noch leidenschaftlich. Es ist so simpel und so gut dabei.

20130407-192057.jpg

Ähnlich verhält es sich mit dem Carpaccio für 9 Euro. Eine herrlich nussige Veranstaltung mit einem Hauch Zitrone und gutem Parmesan auf perfekt hauchdünnen Rindfleisch-Scheiben. Ich esse das sonst nirgendwo.

20130407-192222.jpg

Ebenfalls ein Erlebnis ist das Saltimbocca, Kalbsschnitzel mit Salbei und Schinken. Das Fleisch ist hervorragend mild, der Salbei unterstreicht, statt zu erschlagen und der Schinken rundet harmonisch ab. Mit knackig gedünstetem Gemüse schlägt das Gericht mit 18 Euro auf die Rechnung. Lohnt sich aber deutlich.

20130407-192319.jpg

Zum Dessert macht man mit dem Panna Cotta wenig falsch. Toller Geschmack, tolle Konsistenz, angereichert mit saisonalen Früchten und mit 5 Euro auch eher günstig zu haben.

20130407-192331.jpg

Ich mag das Sardegna. Die Kinder übrigens auch. Die sind hier sehr willkommen. Zumindest tun alle so.

Die Auslastung des Gastraums ist übrigens ungefähr so klar vorhersehbar wie das Hamburger Wetter. Es kann an einem Mittwochabend brechend voll, an einem Freitag gähnen leer sein. Nur montags ist er ganz berechenbar geschlossen. Die Reservierung empfiehlt sich also.

Ristorante Sardegna
Hudtwalckerstraße 16
22299 Hamburg
Telefon: 040/33 98 30 18

Schlagworte: , ,

Der Kleine Führer, die Älteren mögen sich erinnern, ist ja nun auch schon fünf Jahre alt, seit drei Jahren Inhaber einer Schwester, nennen wir sie Ducessa, und ganz wohlgeraten im Leben angekommen. Ich war dann doch erstaunt, als er uns vor etwa einem Jahr eröffnete, niemals Kinder haben zu wollen.

Die könnten ja, so seine politisch fragwürdige Begründung seinerzeit, fett werden. Und das wolle er nicht. Dazu muss man sagen, dass in unserer Familie, jedenfalls in unserer Generation dieser Familie, kaum firgurverachtend kommuniziert wird. Das Ganze war ein Rätsel. Aber das Thema verschwand dann auch wieder.

Die Ducessa ist inzwischen eine herzzerreißend fürsorgliche Puppenmutter und der Bruder geht ihr dabei zuweilen rührend zur Hand. Ich glaubte nicht mehr an seine fortpflanzungsnegierende Zukunftsplanung.

Bis gestern. Da erneuerte der Kleine Führer sein Vorhaben, keine Kinder haben zu wollen. Diesmal jedoch mir komplett neuer Begründung.

Ich möchte keine Kinder.
Aha. Und warum ist das so?
Ich möchte ja zwei Jobs machen.
Soso. Welche Jobs denn?
Na Polizist und Astronaut.
Oha, da hast Du aber was vor.
Genau. Und dann habe ich ja gar keine Zeit mehr. Da würde ich meine Kinder ja nur sehen, wenn sie geboren werden. Aber danach nicht mehr. Und dann bekomme ich lieber keine Kinder.

Man kann also konstatieren: Der Kleine Führer hat das moderne Vater-Bild komplett internalisiert.

Ich hege ja zärtliche Gefühle für Judith Rakers. Das mag an meiner uneingeschränkten Liebe für Grübchen liegen. Ein Talent für Aprilscherze kann man ihr jedenfalls nicht ernsthaft unterstellen.

image

Der Ostersonntag erschien mir für das Wiederauflebenlassen meines Blogs etwas zu pathetisch. So ein erster April macht sich ja auch gut. Irgenwie habe ich es auch mit den Monatsersten. An einem 1. Februar saß ich 2004 vor blogger.de und fing mal an.

Nun war beinahe fünf Jahre Pause und ich habe gerade gemerkt, wie alt ich in der Zeit geworden bin. Einige Versionen WordPress übersprungen, selbst PHP und SQL haben sich deutlich weiterentwickelt. Und während ich mich früher im Selbststudium per Trial & Error durch Quelltexte und Stylesheets gefräßt habe, verspüre ich schlicht keine Sehnsucht mehr, mich mit diesem Technikkram auseinanderzusetzen. Das sollen mal die jungen Leute und Ingenieure machen.

Das erklärt nicht nur die Konstanz im Erscheinungsbild, wie ich es mal wohlwollend bis euphemistisch nennen möchte. So kam es auch zum Totalverlust aller früheren Inhalte. Weil ich es schlicht nicht gebacken bekomme, eine SQL-Datenbank zu migrieren. Aber so eine Bereinigung ist vielleicht auch gar nicht das schlechteste für den Wiedereinstieg. Die Dramen mit den Damen liegen Jahre zurück. Die Veteranen werden sich erinnern. Jetzt ist eine andere Zeit. Schauen wir, was sie bringt.